Drei Tage offene Bildung: Rückblick auf das OERcamp 2026 in Berlin

In diesem OERcamp 2026 Rückblick greifen wir einige der Themen, Begeg­nungen und Ideen auf, die diese drei Tage geprägt haben. Vom 28. bis 30. August 2026 kam die OER-Community in Erkner bei Berlin zum OERcamp 2026 zusammen. Drei Tage lang ging es um Open Educa­tional Resources (OER), Open Educa­tional Practices (OEP), offene Bildung – und vor allem darum, vonein­ander zu lernen, mitein­ander zu disku­tieren und gemeinsam weiter­zu­denken.

Das OERcamp-Programm 2026 verband Workshops, Barcamp-Sessions und eine große Community-Konsul­tation. Dazu kamen viele Begeg­nungen und Gespräche, die sich oft gerade zwischen den offizi­ellen Programm­punkten entwi­ckelten.

Workshops und Community-Konsul­tation

Am Freitag und Sonntag fanden zahlreiche Workshops rund um offene Bildung statt. Die erste Workshop-Runde am Freitag­nach­mittag war zugleich Teil der Vorbe­reitung auf einen weiteren Schwer­punkt des OERcamps: die Community-Konsul­tation zum Thema „Was brauchen wir, um OER & OEP langfristig zu verankern?“

Die von Annette Kuhn vorbe­reitete und moderierte Konsul­tation brachte die Perspek­tiven der Teilneh­menden in einem Großgrup­pen­format zusammen. An insgesamt 16 Markt­ständen wurden unter­schied­liche Aspekte der Leitfrage disku­tiert. In mehreren Durch­gängen konnten die Teilneh­menden Themen vertiefen, zwischen den Markt­ständen wechseln und zum Abschluss durch Klebe­punkte sichtbar machen, welche Aussagen und Anliegen für sie beson­deres Gewicht hatten.

Auf Grundlage der Ergeb­nisse wird Annette Kuhn einen Bericht erstellen, der im Nachgang für einen begrenzten Zeitraum zur weiteren Kommen­tierung und Diskussion geöffnet sein wird. Die finale Fassung veröf­fent­lichen wir anschließend über die OERcamp-Kanäle.

Zwei Personen in einem Veranstaltungsraum.
Annette Kuhn moderierte die Community-Konsul­tation zu der Frage, was es braucht, um OER und OEP langfristig zu verankern. Christoph Nagel für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten, CC BY 4.0

OERcamp 2026 Rückblick: 40 Sessions und ein Barcamp in Bewegung

Im Rückblick auf das OERcamp 2026 zeigt sich besonders deutlich, wie sehr das Programm im Barcamp-Teil von den Teilneh­menden selbst gestaltet wurde. In 40 Sessions brachten die Teilneh­menden am Samstag eigene Fragen, Erfah­rungen, Projekte und Ideen ein.

Wie flexibel ein Barcamp sein kann, zeigte sich auch ganz praktisch: Zwei Teilneh­me­rinnen stellten fest, dass ihre geplanten Sessions thema­tisch sehr gut zusam­men­passten – und beschlossen kurzerhand, sie zusam­men­zu­legen. Räume und Sessi­onplan waren dabei keine starren Vorgaben. Was sinnvoll erschien, konnte gemeinsam verändert werden.

Und manchmal passt eine Idee auch nicht mehr in den eigent­lichen Sessi­onplan. Eine Impro-Theater-Session wurde deshalb am Abend noch einmal in größerer Runde fortge­setzt. Dabei sammelten die Teilneh­menden zunächst immer absurdere Ideen dazu, wie man OER möglichst zuver­lässig gegen die Wand fahren könnte. Anschließend wurde das Prinzip umgedreht und gemeinsam weiter­ge­sponnen, was OER statt­dessen voran­bringen könnte.

Zwischen­räume gehören zum Programm

Nicht alles, was beim OERcamp entsteht, steht im Sessi­onplan. An einer Stelle saßen beispiels­weise mehrere Teilneh­mende gemeinsam vor einem Laptop und halfen einer Teilneh­merin dabei, ihre bereits bei der OERcamp Werkstatt 2025 geplante Homepage endlich online zu bringen. Aus einem „Eigentlich habe ich da schon etwas …“ wurde ein gemein­sames: Dann machen wir das jetzt.

Auch beim Abend­essen gingen die Gespräche weiter. Auf den Tischen lagen die OERcamp Unter­setzer zum Umdenken aka. „Unter­setzOER“, die gewohnte Zweifel, Wider­stand und typische ausbrem­sende Sätze aufgreifen, diese auf der Rückseite aller­dings in eine konstruktive, ermuti­gende Perspektive umwandeln. Aus „Ja, aber …“ wird dort beispiels­weise „Ja, und gleich­zeitig …“, aus „Erstmal abwarten!“ ein „Erstmal anfangen!“. So wurden selbst die Unter­setzer zum Gesprächs­anlass.

Was soll eine Dokumen­tation eigentlich bewahren?

Ein kleines Experiment beim OERcamp beschäf­tigte sich mit KI-gestützter Dokumen­tation von Barcamp-Sessions: bei dem alle Sessions eines Sessi­onslots zunächst per Mikro aufge­zeichnet und dann via KI ausge­wertet wurden In einem Blitz­licht dazu trafen zwei sehr unter­schied­liche Einschät­zungen aufein­ander.

Die eine Perspektive: Die KI-Dokumen­tation sei übersichtlich, vollständig und gut formu­liert – vielleicht sogar besser, als man sie selbst hätte schreiben können.

Die andere: Gerade diese Glätte könne zum Problem werden. Wenn eine Dokumen­tation zu perfekt formu­liert sei, werde mögli­cher­weise unsichtbar, welche Gedanken in der konkreten Session tatsächlich wichtig waren, wo Diskus­sionen Umwege genommen haben oder woran die Teilneh­menden besonders hängen geblieben sind.

Dahinter steckt eine spannende Frage, die über das OERcamp hinausgeht: Soll eine Dokumen­tation vor allem Infor­ma­tionen bewahren – oder auch Spuren des gemein­samen Denkens?

Die folgenden Bilder ergänzen den Rückblick und zeigen einige Eindrücke vom OERcamp 2026 in Erkner.

Ideen aus dem OERcamp 2026: von Open Educa­tional Ideas bis AIS

Auch in den Workshops entstanden Ideen, die sich weiter­ver­folgen lassen.

Beim Thema Reusa­bility-Paradoxon ging es beispiels­weise um die Frage, wie klein eine OER eigentlich sein kann, ohne ihren Sinn und Kontext zu verlieren. Daraus entstand ein weiterer Gedanke: Muss das, was offen geteilt wird, überhaupt immer ein Material sein? Warum nicht auch einzelne didak­tische Ideen, Methoden oder Kniffe als „Open Educa­tional Ideas“ teilen und auffindbar machen?

An anderer Stelle wurde – initiiert vom Bündnis Freie Bildung (BFB) – der Austausch von der Status­kon­ferenz „OER im Blick“ im April 2026 zum Adaptiven Intel­li­genten System (AIS) fortge­setzt. Dass das Interesse groß war, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass noch lange nach dem offizi­ellen Ende des Workshops weiter­dis­ku­tiert wurde.

2500 Jahre Barcamp?

Auch das Abend­pro­gramm am Freitag beschäf­tigte sich mit der Barcamp-Methode – aller­dings auf eher ungewöhn­liche Weise.

Für den Vortrag „2500 Jahre Barcamp“ nahm Jöran Muuß-Merholz sein Publikum mit auf eine kleine Reise durch die Geschichte. Berühmte Persön­lich­keiten und ihre tatsächlich überlie­ferten Zitate wurden dabei mit einer offen­sichtlich nicht ganz histo­ri­schen Behauptung verbunden: Natürlich hatten sie alle schon etwas Grund­sätz­liches über Barcamps zu sagen.

Hinter dem augen­zwin­kernden Ansatz stand ein ernstes Anliegen: Anhand der Zitate wurden grund­le­gende Prinzipien und Beson­der­heiten der Barcamp-Methode erklärt. Der Vortrag wurde in einem eigens dafür einge­rich­teten Setting live aufge­zeichnet.

Jöran Muuß-Merholz steht beim Vortrag „2500 Jahre Barcamp“ hinter einem Rednerpult; hinter ihm ist eine Präsentationsfolie zu sehen.
„2500 Jahre Barcamp“: Jöran Muuß-Merholz erklärte die Barcamp-Methode mit histo­ri­schen Zitaten und augen­zwin­kernden Fehlin­ter­pre­ta­tionen. Christoph Nagel für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten, CC BY 4.0

Und welches hOERoskop hast du?

Eine kleine Überra­schung wartete unabhängig vom Programm auf alle Teilneh­menden. In indivi­duell mit Namen beschrif­teten Umschlägen steckte ein persön­liches hOERoskop.

Je nach Geburtstag gehörte man zum Beispiel zu den Remix-Rochen, Lizenz-Libellen oder Transfer-Tigern. Auf jeder Karte gab es neben dem Tiernamen auch einen kurzen Text zu den jewei­ligen OER-Eigen­schaften. Besonders schön war die Gestaltung: Die hOERo­skope kamen in indivi­duell beschrif­teten Umschlägen und erinnerten mit ihren detail­reichen Illus­tra­tionen und kräftigen Farben ein wenig an Tarot­karten.

Auch der Termin Ende August war diesmal eine Beson­derheit. Wann ein OERcamp statt­finden sollte, ist nämlich alles andere als einfach: Ferien­zeiten, andere Bildungs­ver­an­stal­tungen und die unter­schied­lichen Bedürf­nisse der Bildungs­be­reiche machen die Termin­findung regel­mäßig zur Zwick­mühle. Gerade Ende August gehen die Meinungen besonders ausein­ander. Warum das so ist, haben wir bereits ausführ­licher beschrieben.

Hände halten eine illustrierte hOERoskop-Karte „Prototyp-Panda“ über einem geöffneten blauen Umschlag.
Eine persön­liche Überra­schung für die Teilneh­menden: das hOERoskop mit zwölf OER-Tiertypen. Christoph Nagel für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten, CC BY 4.0

OERcamp 2026 Rückblick: Was bleibt?

Zum Ende unseres OERcamp 2026 Rückblicks bleibt vor allem der Eindruck, dass viele Ideen,Gespräche und Verbin­dungen auch über das eigent­liche Programm hinaus entstanden sind.

Nach drei Tagen Workshops, Sessions und vielen Begeg­nungen zwischen den Programm­punkten verteilte sich die OER-Community am Sonntag wieder in viele Richtungen. Mitge­nommen wurden neue Ideen, Materialien, Kontakte, offene Fragen – und hoffentlich auch etwas von dem Geist des gemein­samen Teilens und Weiter­ent­wi­ckelns.

Oder, um einen Begriff aufzu­greifen, der während des OERcamps fiel: ein bisschen OER-Liebe für den Weg zurück in die eigenen Kontexte. Eine tolle Fortsetzung der Initiative OER-Mut bei der OERcamp Werkstatt in Wutöschingen.

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