Mehr Mut für bessere Bildung (passt auf einen Bierdeckel)
Die Untersetzer zum Umdenken sind 30 kleine Impulse für große Bildungsfragen. Sie zeigen: Veränderung beginnt nicht immer mit einem großen Konzept, einem Strategietag oder einem 80-seitigen Papier. Manchmal beginnt sie mit einem Satz auf einem Bierdeckel.
Mit einem Satz, der erst einmal ziemlich bekannt klingt: „Ja, aber …“, „Dafür fehlt uns die Zeit“, „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Dieses OER ist für meinen Kontext nicht brauchbar.“ Solche Sätze kennen viele Menschen, die Bildung verändern wollen. Sie tauchen in Konferenzen auf, in Teamsitzungen, in Pausengesprächen, in Workshops und manchmal auch im eigenen Kopf.
Genau hier setzen die Untersetzer zum Umdenken an: Sie greifen Zweifel, Widerstand und typische Bremssätze auf – und drehen sie auf der Rückseite in eine konstruktive, ermutigende Perspektive.
Umdrehen ⇒ Umdenken!
Die Idee ist so einfach wie wirksam: Auf der einen Seite steht ein Satz, der Veränderung eher verhindert. Auf der anderen Seite steht eine Wendung, die neue Möglichkeiten öffnet.
„Ja, aber …“ dreht sich zu „Ja und gleichzeitig …“. Aus „Erstmal abwarten!“ wird der kleine Schubs: „Erstmal anfangen!“ Und wenn der Satz „Dafür bräuchten wir andere Rahmenbedingungen“ auf dem Tisch liegt, lädt die Rückseite zur Frage ein: „Was ist das Stärkste, was wir uns unter den bestehenden Rahmenbedingungen vorstellen können?“
Die Untersetzer zum Umdenken sind damit keine Belehrung von oben, sondern kleine Gesprächsöffner. Sie laden dazu ein, innezuhalten, zu schmunzeln, sich wiederzuerkennen und weiterzudenken. Sie funktionieren überall dort, wo Menschen zusammensitzen: beim Kaffee in der Pause, auf Tagungen, in Workshops, bei Fortbildungen, an Materialtischen oder einfach mitten im Gespräch.
Und genau darin liegt ihr Charme: Die Untersetzer machen große Fragen klein genug, um sie gemeinsam anzugehen. Nicht: „Wie lösen wir jetzt sofort den gesamten Bildungswandel?“ Sondern: „Was wäre der nächste Schritt, den wir zusammen angehen können?“
Kleine Deckel, große Fragen
In der Bildung geht es oft um große Begriffe: individuelle Förderung, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Kollaboration, neue Lernkultur, 21st Century Skills, Offenheit, Kreativität und Innovation. All das ist wichtig. Aber wer Wandel gestalten will, weiß auch: Zwischen großen Zielen und konkretem Tun liegen oft Unsicherheit, Routinen, Bedenken und müde Momente.
Die Untersetzer zum Umdenken nehmen genau diese Momente ernst. Sie sagen nicht: „Stell dich nicht so an.“ Sie sagen eher: „Ja, dieser Einwand ist da. Und was können wir jetzt daraus machen?“
Das macht sie besonders wertvoll für OER-Kontexte. Denn Open Educational Resources leben nicht nur von Lizenzen und Plattformen, sondern vor allem von einer Kultur des Teilens, Anpassens, Weiterentwickelns und gemeinsamen Lernens. Wenn jemand sagt: „Bei OER weiß ich nicht, wie die Qualität gesichert wird“, dann kann daraus die Perspektive werden: „Wir können OER-Materialien korrigieren, anpassen und verbessern.“ Wenn jemand denkt: „Ich will nichts Halbgares veröffentlichen“, dann erinnert die Rückseite daran: „Offenheit macht Entwicklung möglich.“
So werden aus Stolpersteinen Gesprächsanlässe. Und aus Gesprächsanlässen vielleicht erste Schritte.
Für Workshops, Tagungen und den ganz normalen Bildungsalltag
Die Untersetzer wirken auch ohne Anleitung: Wer einen Kaffee abstellt, bekommt einen Impuls dazu. Teams können sie gezielt einsetzen – zum Beispiel als Einstieg in einen Workshop, als Reflexionsfrage am Ende einer Session oder als Methode, um über Widerstände ins Gespräch zu kommen.
Ein paar mögliche Einsatzideen:
Die Teilnehmenden ziehen einen Untersetzer und sprechen darüber, wo ihnen dieser Satz schon einmal begegnet ist.Ein Team sammelt eigene „Ja, aber …“-Momente und dreht sie gemeinsam in „Ja und gleichzeitig …“-Perspektiven.In einer OER-Werkstatt dienen die Deckel als Erinnerung: Es muss nicht alles perfekt sein, bevor man beginnt. Lernen, Teilen und Verbessern gehören zusammen.
Damit sind die Untersetzer nicht nur ein nettes Give-away, sondern ein wirksames Werkzeug. Und dieses Werkzeug ist bewusst offen gedacht: Die Grundidee lässt sich übernehmen, anpassen und weiterentwickeln. Wer möchte, kann mit den vorhandenen Sprüchen arbeiten, eigene Wendungen ergänzen oder die Idee auf andere Kontexte übertragen – etwa für Schulentwicklung, Hochschullehre, Weiterbildung, Verwaltung oder Teamprozesse. So werden aus den Untersetzern nicht nur fertige Impulse, sondern ein Ausgangspunkt für eigene Gespräche, Materialien und Methoden.
Sie bringen Leichtigkeit in Gespräche, die manchmal schwer wirken. Und sie schaffen einen freundlichen, spielerischen Zugang zu Fragen, die für die Bildungsentwicklung zentral sind.
Entstanden aus Offenheit, Zusammenarbeit und Weiterdenken
Die Untersetzer fürs Umdenken erzählen auch in ihrer Entstehungsgeschichte eine OER-Geschichte. Ausgangspunkt waren Sammlungen rund um Gründe, nichts zu ändern, und Gründe für Veränderung, die Tom Mittelbach kollaborativ angestoßen und aufbereitet hat. Daraus entstanden weitere Bearbeitungen und neue Formen, unter anderem die wunderbaren SE Hits Vol. 1 – Best of SchulEntwicklung von Gratian Riter.
Das OERcamp hat diese Impulse weitergedacht, verdichtet und auf ein neues Format übertragen: 30 Untersetzer, die im besten Sinne niedrigschwellig sind. Sie passen in die Hand, auf den Tisch, in die Pause – und vielleicht genau deshalb auch mitten hinein in die Praxis.
An der inhaltlichen Ausarbeitung waren Anja Lorenz, Blanche Fabri, Frank Homp, Gratian Riter, Jöran Muuß-Merholz, Jula Henke, Nele Hirsch und Sandra Schön beteiligt. Die Gestaltung stammt von Jula Henke, Agentur J&K für das OERcamp.
Untersetzer zum Umdenken herunterladen und weiternutzen
Wir stellen die Grafikdateien und die zugrundeliegende Sprüche-Sammlung mit vielen weiteren Aussagen zum Download bereit. Lehrende, Teams und Veranstalter*innen können die Untersetzer nutzen, verändern, ergänzen und für eigene Veranstaltungen, Workshops oder Materialien weiterentwickeln.
Für die Texte und die Gestaltung der „OERcamp Untersetzer zum Umdenken“ wird kein urheberrechtlicher Schutz beansprucht. Die Materialien können im Sinne von CC0 frei genutzt, verändert und weitergegeben werden. Wer eine Quellen- und Namensnennung verwenden möchte, kann zum Beispiel diese Formulierung nutzen:
„Die Materialien „OERcamp Untersetzer fürs Umdenken“ entstanden auf Einladung des OERcamps in einem Brainstorming von Anja Lorenz, Blanche Fabri, Frank Homp, Gratian Riter, Jöran Muuß-Merholz, Jula Henke, Nele Hirsch und Sandra Schön, ausgelöst von Sammlungen von Tom Mittelbach, die über Social Media zusammengestellt wurden.“
So können die Untersetzer auf Tischen landen, Gespräche in Workshops anstoßen, weitergegeben, verändert und um eigene Sätze ergänzt werden. Denn manchmal reicht ein kleiner Dreh, damit aus einem „Ja, aber …“ ein „Ja und gleichzeitig …“ wird.
Weitere offene Materialien, How-tos und Sammlungen rund um OER gibt es auf unserer OERcamp-Material-Seite.
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