30 Unter­setzer zum Umdenken : Mehr Mut für bessere Bildung auswählen

Mehr Mut für bessere Bildung (passt auf einen Bierdeckel)

Die Unter­setzer zum Umdenken sind 30 kleine Impulse für große Bildungs­fragen. Sie zeigen: Verän­derung beginnt nicht immer mit einem großen Konzept, einem Strate­gietag oder einem 80-seitigen Papier. Manchmal beginnt sie mit einem Satz auf einem Bierdeckel.

Mit einem Satz, der erst einmal ziemlich bekannt klingt: „Ja, aber …“, „Dafür fehlt uns die Zeit“, „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Dieses OER ist für meinen Kontext nicht brauchbar.“ Solche Sätze kennen viele Menschen, die Bildung verändern wollen. Sie tauchen in Konfe­renzen auf, in Teamsit­zungen, in Pausen­ge­sprächen, in Workshops und manchmal auch im eigenen Kopf.

Genau hier setzen die Unter­setzer zum Umdenken an: Sie greifen Zweifel, Wider­stand und typische Brems­sätze auf – und drehen sie auf der Rückseite in eine konstruktive, ermuti­gende Perspektive.

ALT-Text: Zwei Bierdeckel, die die Vorder- und Rückseite abbilden. Auf einer Seite steht „Ja aber …“ und auf der anderen „Ja und gleichzeitig …“
Umdrehen, umdenken, weiter­denken: Die OERcamp-Unter­setzer machen aus typischen Einwänden neue Gesprächs­an­lässe. Christoph Nagel für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten unter CC BY 4.0

Umdrehen ⇒ Umdenken!

Die Idee ist so einfach wie wirksam: Auf der einen Seite steht ein Satz, der Verän­derung eher verhindert. Auf der anderen Seite steht eine Wendung, die neue Möglich­keiten öffnet.

„Ja, aber …“ dreht sich zu „Ja und gleich­zeitig …“. Aus „Erstmal abwarten!“ wird der kleine Schubs: „Erstmal anfangen!“ Und wenn der Satz „Dafür bräuchten wir andere Rahmen­be­din­gungen“ auf dem Tisch liegt, lädt die Rückseite zur Frage ein: „Was ist das Stärkste, was wir uns unter den bestehenden Rahmen­be­din­gungen vorstellen können?“

Die Unter­setzer zum Umdenken sind damit keine Belehrung von oben, sondern kleine Gesprächs­öffner. Sie laden dazu ein, innezu­halten, zu schmunzeln, sich wieder­zu­er­kennen und weiter­zu­denken. Sie funktio­nieren überall dort, wo Menschen zusam­men­sitzen: beim Kaffee in der Pause, auf Tagungen, in Workshops, bei Fortbil­dungen, an Materi­al­ti­schen oder einfach mitten im Gespräch.

Und genau darin liegt ihr Charme: Die Unter­setzer machen große Fragen klein genug, um sie gemeinsam anzugehen. Nicht: „Wie lösen wir jetzt sofort den gesamten Bildungs­wandel?“ Sondern: „Was wäre der nächste Schritt, den wir zusammen angehen können?“

Kleine Deckel, große Fragen

In der Bildung geht es oft um große Begriffe: indivi­duelle Förderung, Chancen­ge­rech­tigkeit, Teilhabe, Kolla­bo­ration, neue Lernkultur, 21st Century Skills, Offenheit, Kreati­vität und Innovation. All das ist wichtig. Aber wer Wandel gestalten will, weiß auch: Zwischen großen Zielen und konkretem Tun liegen oft Unsicherheit, Routinen, Bedenken und müde Momente.

Die Unter­setzer zum Umdenken nehmen genau diese Momente ernst. Sie sagen nicht: „Stell dich nicht so an.“ Sie sagen eher: „Ja, dieser Einwand ist da. Und was können wir jetzt daraus machen?“

Das macht sie besonders wertvoll für OER-Kontexte. Denn Open Educa­tional Resources leben nicht nur von Lizenzen und Platt­formen, sondern vor allem von einer Kultur des Teilens, Anpassens, Weiter­ent­wi­ckelns und gemein­samen Lernens. Wenn jemand sagt: „Bei OER weiß ich nicht, wie die Qualität gesichert wird“, dann kann daraus die Perspektive werden: „Wir können OER-Materialien korri­gieren, anpassen und verbessern.“ Wenn jemand denkt: „Ich will nichts Halbgares veröf­fent­lichen“, dann erinnert die Rückseite daran: „Offenheit macht Entwicklung möglich.“

So werden aus Stolper­steinen Gesprächs­an­lässe. Und aus Gesprächs­an­lässen vielleicht erste Schritte.

Für Workshops, Tagungen und den ganz normalen Bildungs­alltag

Die Unter­setzer wirken auch ohne Anleitung: Wer einen Kaffee abstellt, bekommt einen Impuls dazu. Teams können sie gezielt einsetzen – zum Beispiel als Einstieg in einen Workshop, als Refle­xi­ons­frage am Ende einer Session oder als Methode, um über Wider­stände ins Gespräch zu kommen.

Ein paar mögliche Einsatz­ideen:

Die Teilneh­menden ziehen einen Unter­setzer und sprechen darüber, wo ihnen dieser Satz schon einmal begegnet ist.Ein Team sammelt eigene „Ja, aber …“-Momente und dreht sie gemeinsam in „Ja und gleich­zeitig …“-Perspek​tiven​.In einer OER-Werkstatt dienen die Deckel als Erinnerung: Es muss nicht alles perfekt sein, bevor man beginnt. Lernen, Teilen und Verbessern gehören zusammen.

Damit sind die Unter­setzer nicht nur ein nettes Give-away, sondern ein wirksames Werkzeug. Und dieses Werkzeug ist bewusst offen gedacht: Die Grundidee lässt sich übernehmen, anpassen und weiter­ent­wi­ckeln. Wer möchte, kann mit den vorhan­denen Sprüchen arbeiten, eigene Wendungen ergänzen oder die Idee auf andere Kontexte übertragen – etwa für Schul­ent­wicklung, Hochschul­lehre, Weiter­bildung, Verwaltung oder Teampro­zesse. So werden aus den Unter­setzern nicht nur fertige Impulse, sondern ein Ausgangs­punkt für eigene Gespräche, Materialien und Methoden.

Sie bringen Leich­tigkeit in Gespräche, die manchmal schwer wirken. Und sie schaffen einen freund­lichen, spiele­ri­schen Zugang zu Fragen, die für die Bildungs­ent­wicklung zentral sind.

Entstanden aus Offenheit, Zusam­men­arbeit und Weiter­denken

Die Unter­setzer fürs Umdenken erzählen auch in ihrer Entste­hungs­ge­schichte eine OER-Geschichte. Ausgangs­punkt waren Sammlungen rund um Gründe, nichts zu ändern, und Gründe für Verän­derung, die Tom Mittelbach kolla­bo­rativ angestoßen und aufbe­reitet hat. Daraus entstanden weitere Bearbei­tungen und neue Formen, unter anderem die wunder­baren SE Hits Vol. 1 – Best of Schul­Ent­wicklung von Gratian Riter.

Das OERcamp hat diese Impulse weiter­ge­dacht, verdichtet und auf ein neues Format übertragen: 30 Unter­setzer, die im besten Sinne niedrig­schwellig sind. Sie passen in die Hand, auf den Tisch, in die Pause – und vielleicht genau deshalb auch mitten hinein in die Praxis.

An der inhalt­lichen Ausar­beitung waren Anja Lorenz, Blanche Fabri, Frank Homp, Gratian Riter, Jöran Muuß-Merholz, Jula Henke, Nele Hirsch und Sandra Schön beteiligt. Die Gestaltung stammt von Jula Henke, Agentur J&K für das OERcamp.

Unter­setzer zum Umdenken herun­ter­laden und weiter­nutzen

Wir stellen die Grafik­da­teien und die zugrun­de­lie­gende Sprüche-Sammlung mit vielen weiteren Aussagen zum Download bereit. Lehrende, Teams und Veranstalter*innen können die Unter­setzer nutzen, verändern, ergänzen und für eigene Veran­stal­tungen, Workshops oder Materialien weiter­ent­wi­ckeln.

Für die Texte und die Gestaltung der „OERcamp Unter­setzer zum Umdenken“ wird kein urheber­recht­licher Schutz beansprucht. Die Materialien können im Sinne von CC0 frei genutzt, verändert und weiter­ge­geben werden. Wer eine Quellen- und Namens­nennung verwenden möchte, kann zum Beispiel diese Formu­lierung nutzen:

„Die Materialien „OERcamp Unter­setzer fürs Umdenken“ entstanden auf Einladung des OERcamps in einem Brain­storming von Anja Lorenz, Blanche Fabri, Frank Homp, Gratian Riter, Jöran Muuß-Merholz, Jula Henke, Nele Hirsch und Sandra Schön, ausgelöst von Sammlungen von Tom Mittelbach, die über Social Media zusam­men­ge­stellt wurden.“

So können die Unter­setzer auf Tischen landen, Gespräche in Workshops anstoßen, weiter­ge­geben, verändert und um eigene Sätze ergänzt werden. Denn manchmal reicht ein kleiner Dreh, damit aus einem „Ja, aber …“ ein „Ja und gleich­zeitig …“ wird.

Weitere offene Materialien, How-tos und Sammlungen rund um OER gibt es auf unserer OERcamp-Material-Seite.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Erforderliche Felder sind mit * markiert

Suchbegriff eingeben und mit Enter bestätigen