OERcamp Werkstatt Wutöschingen in der Aleman­nen­schule

Wo Räume, Materialien und Menschen in Bewegung kamen

Vom 12. bis 14. Juni 2026 wurde die Aleman­nen­schule Wutöschingen zur OERcamp Werkstatt für offene Bildung. Drei Tage lang arbei­teten Teilneh­mende an eigenen Lehr- und Lernma­te­rialien, suchten nach passenden Formaten, klärten Fragen zur Veröf­fent­li­chung und tauschten sich darüber aus, wie Materialien entstehen können, die nicht nur im eigenen Unter­richt funktio­nieren, sondern auch für andere nutzbar, verän­derbar und teilbar werden.

Die OERcamp Werkstatt Wutöschingen in der Aleman­nen­schule war dabei keine klassische Fortbildung, bei der alle dasselbe Programm durch­laufen. Sie war eher ein gemein­samer Arbeitsraum mit vielen Türen: Wer Inspi­ration und Orien­tierung suchte, fand sie in Inputs, Rundgängen und Gesprächen. Wer an einem eigenen Material weiter­ar­beiten wollte, bekam Zeit, Beratung und Feedback. Wer noch keinen konkreten Plan hatte, konnte sich einem gemein­samen Projekt anschließen oder erst einmal sortieren, was überhaupt entstehen könnte. Und wer Fragen zu Veröf­fent­li­chung, Lizen­zierung oder Platt­formen hatte, fand Sprech­stunden und Coaches, die ganz konkret auf das eigene Vorhaben schauten.
Gerade diese Mischung machte die Werkstatt aus. Es ging nicht darum, am Ende ein perfekt poliertes Material vorzu­zeigen. Das Hauptziel war, Materialien zu entwi­ckeln und sie als Open Educa­tional Resources, also als OER, veröf­fent­lichbar zu machen, die die Teilneh­menden für ihren eigenen Arbeits­alltag benötigen. Das können und kennen viele noch nicht selbst­ver­ständlich. Deshalb brauchte es Inputs, Beispiele, Erklä­rungen und immer wieder Ermutigung: Ja, auch ein erster Stand darf geteilt werden. Ja, auch ein Material aus der eigenen Praxis kann für andere hilfreich sein. Ja, es ist erlaubt, unfertig anzufangen.
Die ersten Schritte Richtung Wutöschingen passierten schon vor der Anreise. Beim gemein­samen Online-Kick-off der OERcamp Werkstätten 2026 am 26. Mai trafen sich die Gruppen aus Detmold und Wutöschingen erstmals digital. Dort gab es Einblicke in das Werkstatt­format, Raum für offene Fragen und die Gelegenheit, schon vorab andere Teilneh­mende kennen­zu­lernen. So begann die OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule nicht erst zwischen Lernhäusern, Material-Steck­briefen und Werkstatt­ti­schen, sondern mit einer gemein­samen Orien­tierung: Wir machen uns auf den Weg.

Ein Ort, der selbst mitar­beitete

Dass diese Werkstatt des OERcamps ausge­rechnet an der Aleman­nen­schule stattfand, war mehr als eine schöne Ortswahl. Die Schule ist weit über Wutöschingen hinaus bekannt für selbst­or­ga­ni­siertes Lernen, für eine besondere Lernkultur und für Räume, die diese Kultur sichtbar machen. Schon beim Ankommen wurde deutlich, dass hier nicht einfach ein Veran­stal­tungsraum durch eine Koope­ration zur Verfügung stand. Die Teilneh­menden bewegten sich durch Lernhäuser, offene Arbeits­be­reiche, Rückzugs­räume und Zonen, die nicht rein zufällig so gestaltet sind, sondern aktiv Lernver­halten unter­stützen sollen.
Viele Gespräche begannen genau dort: bei den Räumen. Warum sieht Schule hier so aus? Wie viel Struktur braucht selbst­or­ga­ni­siertes Lernen? Wie wird Ruhe ermög­licht, ohne ständig zu ermahnen? Wie können Lernende Verant­wortung übernehmen, wenn Umgebung, Material und Begleitung zusam­men­spielen? In Wutöschingen war der „Raum als dritter Pädagoge“ kein abstrakter Fachbe­griff, sondern etwas, das man sehen, betreten und disku­tieren konnte.

Besonders wertvoll war dabei, dass mit Caroline Spirig eine der Personen vor Ort war, die u.a. an der Raumkon­zeption der Aleman­nen­schule beteiligt war. Sie ist Teil von Raumre­aktion aus Zürich; im AIT-Beitrag zur Oberstufe der Aleman­nen­schule wird beschrieben, wie Raumre­aktion mit Caroline Spirig, Anika Müller und Patrick Müller ein Lern- und Raumkonzept umgesetzt hat, das Selbst­ver­ant­wortung und selbst­or­ga­ni­siertes Lernen räumlich unter­stützt.
Bei der Werkstatt gab Caroline Inputs und Workshops zu guten Räumen für Lernen und Leben sowie zu räumlichen Zonen für unter­schied­liche Lernak­ti­vi­täten. Außerdem führte sie durch das neu gebaute Oberstu­fen­ge­bäude und teilte mit den Teilneh­menden, warum bestimmte Entschei­dungen so getroffen wurden: Wo Rückzug möglich sein soll, wo Begegnung entsteht, wo Konzen­tration unter­stützt wird und warum die frühe Betei­ligung aller, die später in einem Gebäude lernen und arbeiten, für Schulbau und Schul­ent­wicklung so entscheidend ist.

Lernräume, Lernma­te­rialien und Materi­al­netzwerk bei der OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule

Neben Caroline Spirig war auch Valentin Helling an vielen Stellen präsent. Als Gründungs- und Vorstands­mit­glied der Materi­al­netzwerk eG (MNWeG) brachte er eine Perspektive ein, die zur OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule besonders gut passte: Wie müssen Materialien gestaltet sein, wenn selbst­or­ga­ni­siertes Lernen nicht nur behauptet, sondern im Alltag aktiv getragen werden soll?
Das Materi­al­netzwerk ist aus einem Zusam­men­schluss von Schulen entstanden, die über Jahre hinweg gemeinsam Lernma­te­rialien entwi­ckelt und ausge­tauscht haben. Heute stellt die gemein­nützige Genos­sen­schaft praxis­er­probte, einheitlich struk­tu­rierte Lernma­te­rialien für selbst­or­ga­ni­siertes Lernen bereit; alle Materi­al­pakete stehen kostenfrei als OER zur Verfügung. Die Grundlage bildet eine an der Aleman­nen­schule erprobte Struktur. Zusätzlich können Lehrkräfte Materialien über den MNW-Editor bearbeiten, erstellen und austau­schen.

Valentin Helling bot Programm­punkte zum Materi­al­netzwerk, zur Struktur von Materi­al­pa­keten und zur Schmet­ter­lings­päd­agogik an. Außerdem führte er durch Gebäude der Sekun­dar­stufe I. Dadurch konnten Teilneh­mende nicht nur über selbst­or­ga­ni­siertes Lernen sprechen, sondern sehen, welche Räume, Routinen und Materi­al­struk­turen es im Schul­alltag tragen. Für die Werkstatt war das besonders anschluss­fähig: Denn wer Materialien als OER entwi­ckeln und veröf­fent­lichen möchte, muss auch verstehen, in welchen Lernset­tings sie später genutzt, angepasst und weiter­ent­wi­ckelt werden können.
Caroline Spirig und Valentin Helling machten auf unter­schied­liche Weise sichtbar, dass OER nicht im luftleeren Raum entstehen. Materialien brauchen pädago­gische Konzepte, passende Struk­turen, Räume, Menschen, die sie nutzen, und andere Menschen, die sie weiter­ent­wi­ckeln können.

„Ihr seid die Werkstatt“

So besonders der Ort war, im Mittel­punkt standen die Teilneh­menden mit ihren eigenen Vorhaben. Und genau das war für manche zunächst ungewohnt. Viele hatten im Vorfeld ausführlich beschrieben, woran sie arbeiten wollten, oft verbunden mit der Frage, ob das überhaupt zur Werkstatt passt. Andere kamen ohne konkretes Vorhaben und merkten erst vor Ort, dass auch diese Offenheit Teil des Formats sein darf.
Die OERcamp Werkstatt funktio­niert nicht wie eine Veran­staltung, bei der ein fertiges Programm von vorne bis hinten absol­viert wird. Das Programm ist eher ein Werkzeug­kasten. Die Teilneh­menden bringen ihre Fragen, Themen und Materialien mit; Coaches, Community-Koordinator*innen, Inputs, Sprech­stunden und andere Teilneh­mende helfen dabei, daraus etwas Teilbares zu machen.

Lehrende erstellen ständig Materialien, passen Aufgaben an, entwi­ckeln Methoden weiter oder bauen Lernset­tings um. Im Alltag passiert das oft schnell, pragma­tisch und für die eigene Lerngruppe. In einer OER-Werkstatt wird daraus plötzlich etwas, das benannt, überar­beitet, lizen­ziert und veröf­fent­licht werden kann. Was vorher „nur mein Arbeits­blatt“ war, kann zu einem offenen Material werden, an das andere anschließen.

Von „Ich weiß gar nicht, was ich machen soll.“ zu „Ach so, darum geht es!“

Manche Werkstatt­mo­mente begannen ganz leise. Nicht mit einer fertigen Idee, sondern mit einem vorsich­tigen: „Ich weiß gar nicht, was ich hier machen soll.“ Genau dann wurde nicht nach einem perfekten Produkt gefragt, sondern nach der eigenen Praxis: Welche Fächer unter­richtest du? Welche Lerngruppe kommt nach den Ferien? Was passiert in der ersten Stunde? Was brauchen die Lernenden? Und was ist vielleicht längst da, nur noch nicht als Material sichtbar?
Aus einer vagen Ausgangslage konnte so sehr schnell etwas Konkretes entstehen. Eine erste Stunde nach den Ferien wurde zur Idee für einen Podcast-Auftrag. Dazu brauchte es Kriterien, also entstand ein Feedback­bogen (bei der Werkstatt in Detmold wurde dafür ein Feedback­fra­ge­bogen-Generator entwi­ckelt). Aus dem Feedback­bogen konnte eine Check­liste werden. Und plötzlich stand nicht mehr die Frage im Raum, ob überhaupt ein Material entstehen kann, sondern welches von mehreren möglichen Materialien zuerst weiter­be­ar­beitet wird.
Solche Momente machten erfahrbar, was die Werkstatt leisten kann. Sie nimmt die eigene Praxis ernst und hilft dabei, sie in eine Form zu bringen, die andere verstehen, nutzen und verändern können. Nicht perfekt, aber veröf­fent­lichbar. Nicht abgeschlossen, aber anschluss­fähig.

Zusam­men­arbeit, die nicht geplant werden musste

Sehr deutlich wurde in Wutöschingen auch, wie schnell sich Menschen fanden. Immer wieder berich­teten Teilneh­mende, woran sie arbeiten wollten, und fast jedes Mal gab es andere, die sagten: Daran denke ich auch. Das brauche ich ebenfalls. Da würde ich gern mitmachen. Für dieje­nigen, die noch keinen konkreten Plan hatten, war genau das besonders wertvoll. Sie mussten nicht künstlich eine Idee erfinden, sondern konnten sich an Themen andocken, die ohnehin im Raum waren.
An den großen Fenster­scheiben der Aleman­nen­schule wurde diese Zusam­men­arbeit sichtbar. Dort visua­li­sierte ein Material-Fortschritts­board, auf dem die Steck­briefe der Vorhaben durch verschiedene Stationen wanderten: „in Planung“, „wOERk in progress“, „fertig“, „veröf­fent­licht“ und „fürs nächste Mal“. So wurden aus einzelnen Ideen gemeinsame Anknüp­fungs­punkte. Wer wissen wollte, woran andere arbeiten oder welche Materialien schon veröf­fent­licht waren, musste nur ans Fenster schauen.
So entstanden Commu­nities nicht nur als Programm­punkte, sondern als konkrete Kolla­bo­ra­ti­ons­räume. Menschen fanden sich zu gemein­samen Projekten zusammen, sortierten ähnliche Fragen, teilten Materi­al­stände oder überlegten, wie Veröf­fent­li­chung und Weiter­arbeit aussehen könnten. Wer ein eigenes Material hatte, bekam Feedback. Wer Beratung brauchte, konnte Sprech­stunden der Coaches nutzen. Wer noch suchte, fand Orien­tierung durch andere, die schon einen Schritt weiter waren.

Das war vielleicht eine der stärksten Beobach­tungen: Die Werkstatt erzeugte nicht nur indivi­duelle Ergeb­nisse, sondern Zusam­men­arbeit. Viele Köpfe wurden zusam­men­ge­steckt, nicht aus Pflicht, sondern weil die Themen mitein­ander verbunden waren. In den Gesprächen ging es um Arbeits­blätter, Platt­formen, Lernbau­steine, Prüfungs­formate und Lizenzen, aber darunter lag oft der größere Wunsch, Schule anders zu gestalten.

Let’s wOERk: Materi­al­ent­wicklung bei der OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule

Nach dem Ankommen und Sortieren wurde der zweite Tag zum eigent­lichen Werkstatttag. In der Moderation hieß es sinngemäß: Heute wird gearbeitet. „Let’s wOERk!“ Denn am dritten Tag sollte es bereits Richtung Veröf­fent­li­chung gehen, und diese leichte Verbind­lichkeit tat dem Format gut. Sie setzte keinen unange­nehmen Druck, sondern machte klar: Wir sind nicht nur hier, um über OER zu sprechen. Wir sind hier, um etwas zu erstellen.
Manche Teilneh­mende waren zu diesem Zeitpunkt schon fast veröf­fent­li­chungs­bereit. Erste Materialien waren sogar bereits am Vortag veröf­fent­licht worden. Andere standen noch ganz am Anfang oder brauchten erst einmal ein Gespräch, um zu verstehen, was ihr Vorhaben sein könnte. Alles hatte Platz. Genau darin lag die Stärke der Werkstatt: Sie konnte Menschen abholen, die Inspi­ration und Orien­tierung suchten, ebenso wie Menschen, die an einem fast fertigen Material den letzten Schliff brauchten.
Eine Methode brachte diesen Werkstatt­cha­rakter besonders gut auf den Punkt. Bei „Show Me Yours, I’ll Show You Mine“ erklärten sich Teilneh­mende zunächst gegen­seitig ihre Materialien. Anschließend erklärten sie ein fremdes Material weiter und hörten zugleich, wie jemand anderes ihr eigenes Material erklärte. In solchen Momenten wird sofort sichtbar, ob ein Material verständlich ist, wo Infor­ma­tionen fehlen und welche Annahmen nur im eigenen Kopf existieren. Für OER ist das zentral: Materialien werden besser, wenn andere sie anschauen, Fragen stellen und sie weiter­denken dürfen.

Zwischen Mensa, World Café und Trans­fer­presse

Dass sich Menschen in Wutöschingen so schnell fanden, lag nicht nur an den Programm­punkten. Austausch entstand auch dort, wo niemand offiziell „Vernetzung“ darüber schreiben musste: beim wirklich guten Essen in der Mensa, bei Kaffee und Snacks im sogenannten World Café, am Sticker­tausch­tisch oder an der Trans­fer­presse. Dort konnten mitge­brachte Textilien wie T-Shirts, Stoff­beutel oder andere Lieblings­stücke mit OERcamp-Motiven bedruckt werden. Während Motive ausge­wählt, Stoffe glatt­ge­zogen und Ergeb­nisse bestaunt wurden, gingen Gespräche weiter, die vorher in Sessions begonnen hatten. Manchmal braucht es genau solche Orte zwischen den Programm­punkten, damit aus einem kurzen Kontakt eine Idee, aus einer Idee ein gemein­sames Vorhaben und aus einem gemein­samen Vorhaben vielleicht ein neues OER-Material wird.

Live dabei: Podcast­auf­nahme zu Barcamps in der Schule

Auch am Abend blieb die Werkstatt ein Ort, an dem Lernen nicht nur in klassi­schen Programm­punkten stattfand. In einer Live-Podcast­auf­nahme sprach Jöran Muuß-Merholz mit Philip Stade und Dejan Mihaj­lović über Barcamps für Schul­ent­wicklung, Demokra­tie­bildung, SMV und viele weitere schulische Kontexte. Die Leitfrage passte wunderbar zur OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule: Was verändert sich, wenn Menschen nicht nur zuhören oder teilnehmen, sondern selbst Themen setzen, Fragen einbringen und gemeinsam gestalten?
Die Aufnahme war Teil der Reihe „How to Barcamp“ und wird auf selbst​lernen​.net erscheinen. Dort gibt es bereits eine Episo­den­liste mit bishe­rigen Folgen der Podcast­reihe, unter anderem zu Grund­lagen, Planung und Varia­tionen von Barcamps. In Wutöschingen wurde dieser Gedanke live weiter­ge­führt: Barcamps nicht als Ausnah­me­format, sondern als wieder­keh­rende Praxis für Schule, Betei­ligung und gemein­sames Lernen. Dass das Publikum vor Ort dabei sein und im Anschluss mit den Gesprächs­partnern in den Austausch gehen konnte, machte auch diese Aufnahme zu einem Teil der Werkstatt­at­mo­sphäre.

Viele Inputs, unmöglich alle aufzu­zählen

Das Programm war so dicht, dass ein Rückblick nur einzelne Fäden aufnehmen kann. Viele Inputs, Workshops, Sprech­stunden und Gespräche haben dazu beigetragen, dass aus ersten Ideen konkrete nächste Schritte wurden. Ann-Christin Piel gab zum Beispiel mehrere Angebote rund um offene Lernset­tings, Lernbau­steine und Lernma­te­rialien im Montessori-Style. In ihren Inputs wurde deutlich, dass selbst­or­ga­ni­siertes Lernen nicht bedeutet, dass alle einfach irgend­etwas machen. Es braucht Struk­turen, Lernbe­ratung, Logbücher, gutes Material, trans­pa­rente Anfor­de­rungen und eine Organi­sation, die Lernende wirklich unter­stützt.
Nele Hirsch zeigte in einem sehr kompakten Input, wie sich mit dem Open-Source-Tool Publii ohne große Vorkennt­nisse eine eigene Website erstellen lässt. In wenigen Minuten wurde greifbar, wie digitale Veröf­fent­li­chung auch ohne Abhän­gigkeit von großen Platt­formen gedacht werden kann. Gerade für OER ist diese Frage wichtig: Wo liegen Materialien? Wie bleiben sie zugänglich? Wie können Lernende oder Lehrende Inhalte veröf­fent­lichen, ohne sofort in geschlossene Systeme auszu­weichen?
Daneben gab es Angebote zu binnen­dif­fe­ren­zierten Tests, zum Aufbau von Materi­al­pa­keten, zu Inner Develo­pment Goals und zu vielen weiteren Fragen. Nicht jede Session kann hier einzeln nacher­zählt werden. Aber gemeinsam ergaben sie das, was die Werkstatt brauchte: fachliche Impulse, praktische Werkzeuge, konkrete Beispiele und immer wieder Anlässe, das eigene Material weiter­zu­denken.

Aufbruchs­stimmung zwischen Arbeits­blatt, Plattform und Maker­space

In Wutöschingen ging es nicht nur um einzelne Arbeits­blätter. Es ging immer wieder um die größere Frage, wie Schule anders gestaltet werden kann. Manche suchten Absicherung: Machen andere das auch? Darf ich das so denken? Wo fange ich an? Andere brachten schon erstaunlich weit entwi­ckelte Projekte mit und stellten ihr Licht trotzdem unter den Scheffel.

Ein Teilnehmer zeigte zum Beispiel eine fast fertige Plattform, mit der Arbeits­blätter KI-gestützt analy­siert und weiter­ver­ar­beitet werden können. Lehrplan­bezüge, Methoden und neue metho­dische Ideen, etwa für spiele­rische Zugänge oder Rollen­spiel-Formate, konnten dadurch an konkreten Materialien sichtbar werden. Vor Ort bekam die Idee Resonanz, Feedback und hoffentlich den nächsten Schubs in Richtung Veröf­fent­li­chung.

Ein anderer Teilnehmer kam aus einem Maker­space und fragte sich zunächst, was er in dieser Werkstatt überhaupt erstellen könne. Im Gespräch entstand dann eine Verbindung zu alter­na­tiven Prüfungs­for­maten. Denn ein Prüfungs­format im Maker­space kann selbst eine alter­native Prüfungsform sein. Plötzlich wurde aus dem „Ich schaue erstmal“ ein konkreter Anschluss: Wie lassen sich Maker­space-Prozesse beschreiben, bewerten, reflek­tieren und als Material teilen?

Materialien, die weiter­wandern

Ein schönes Beispiel dafür, dass Werkstatt­pro­zesse nicht immer am letzten Veran­stal­tungstag enden, brachte eine Teilneh­merin aus einer früheren OERcamp Werkstatt mit. Sie hatte dort an einem Material zu dem sensiblen Thema Depres­sionen begonnen. Später entstand daraus im zweiten Anlauf ein Podcast zum Jugend­roman „Alle Farben grau“ von Martin Schäuble. Der Podcast der Heinrich-Böll-Schule Rodgau wurde beim BÜCHER­ALARM-Award 2026 mit dem zweiten Platz ausge­zeichnet.
Solche Geschichten zeigen, warum Werkstätten wichtig sind. Nicht alles wird sofort fertig. Manches braucht Zeit, einen zweiten Anlauf, eine andere Gruppe oder einen neuen Kontext. Und manchmal kommt ein Projekt später wieder zurück in die Community und zeigt: Da ist wirklich etwas gewachsen.

Wo die Materialien gesammelt werden

Die in Wutöschingen entstan­denen und veröf­fent­lichten Materialien sollen nicht im Veran­stal­tungs­rück­blick verschwinden. Wir bereiten sie aktuell für unsere Sammlung der Werkstatt-Ergeb­nisse auf. Dort werden die Ergeb­nisse der OERcamp Werkstätten gebündelt und mit den jewei­ligen Veröf­fent­li­chungs­orten der Materialien verlinkt. Das dauert noch einen Moment, weil wir die Beiträge sichten, sortieren und sauber einpflegen möchten. Sobald die Sammlung ergänzt ist, lässt sich dort nachvoll­ziehen, welche offenen Materialien aus der OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule hervor­ge­gangen sind.

Was von der OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule bleibt

Was bleibt nach drei picke­packe vollen Tagen? Vielleicht zuerst das Gefühl, dass Materi­al­ent­wicklung als OER nicht nur eine technische oder recht­liche Aufgabe ist. Natürlich braucht es Wissen über Lizenzen, Platt­formen, Formate und Veröf­fent­li­chung. Aber es braucht auch Vertrauen in die eigene Praxis, Resonanz von anderen und Räume, in denen unfertige Ideen willkommen sind.

Die OERcamp Werkstatt in der Aleman­nen­schule zeigte, wie stark Orte, Menschen und Materialien zusam­men­wirken können. Ein beson­derer Lernort, erfahrene Impulsgeber*innen, Coaches mit konkretem Feedback, Commu­nities für Zusam­men­arbeit und Teilneh­mende, die bereit waren, ihre Ideen zu zeigen, bevor sie perfekt waren: Aus dieser Mischung entstand der Werkstatt­cha­rakter.
Am Ende der Werkstatt sollten möglichst viele Materialien so weit sein, dass sie veröf­fent­licht und als OER geteilt werden können. In Wutöschingen wurde zugleich sichtbar, dass Veröf­fent­li­chung manchmal ein Zielpunkt und manchmal der nächste klare Schritt ist. Einige Vorhaben waren bereits bereit für die Veröf­fent­li­chung, andere brauchten noch Feedback, Feinschliff oder eine letzte Klärung zur Lizenz. Entscheidend war: Aus Ideen wurden konkrete Arbeits­stände, aus Unsicherheit wurde Orien­tierung und aus vielen Gesprächen entstanden Materialien, die weiter­gehen können.

Bilder der OERcamp Werkstatt an der Aleman­nen­schule zum Teilen

Die OERcamp Werkstatt in der Aleman­nen­schule war nicht nur inhaltlich dicht, sondern auch visuell besonders. Die Lernhäuser, Arbeits­phasen, Gespräche, Laptops, Post-its, Materialien und kleinen Werkstatt­mo­mente erzählen viel von dem, was vor Ort passiert ist.
In unseren Bilders­lidern in diesem Artikel zeigen wir Eindrücke aus Wutöschingen. Eine Verbreitung unter der angege­benen Lizenz (Luisa Schmidt für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten unter CC BY 4.0) ist möglich und ausdrücklich erwünscht. Zusätzlich stellen wir die Bilder aus den Slidern bis zum 18.06.27 als kompaktes Download­paket über WeTransfer zur Verfügung.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Erforderliche Felder sind mit * markiert

Suchbegriff eingeben und mit Enter bestätigen