Wo Räume, Materialien und Menschen in Bewegung kamen
Vom 12. bis 14. Juni 2026 wurde die Alemannenschule Wutöschingen zur OERcamp Werkstatt für offene Bildung. Drei Tage lang arbeiteten Teilnehmende an eigenen Lehr- und Lernmaterialien, suchten nach passenden Formaten, klärten Fragen zur Veröffentlichung und tauschten sich darüber aus, wie Materialien entstehen können, die nicht nur im eigenen Unterricht funktionieren, sondern auch für andere nutzbar, veränderbar und teilbar werden.





Die OERcamp Werkstatt Wutöschingen in der Alemannenschule war dabei keine klassische Fortbildung, bei der alle dasselbe Programm durchlaufen. Sie war eher ein gemeinsamer Arbeitsraum mit vielen Türen: Wer Inspiration und Orientierung suchte, fand sie in Inputs, Rundgängen und Gesprächen. Wer an einem eigenen Material weiterarbeiten wollte, bekam Zeit, Beratung und Feedback. Wer noch keinen konkreten Plan hatte, konnte sich einem gemeinsamen Projekt anschließen oder erst einmal sortieren, was überhaupt entstehen könnte. Und wer Fragen zu Veröffentlichung, Lizenzierung oder Plattformen hatte, fand Sprechstunden und Coaches, die ganz konkret auf das eigene Vorhaben schauten.
Gerade diese Mischung machte die Werkstatt aus. Es ging nicht darum, am Ende ein perfekt poliertes Material vorzuzeigen. Das Hauptziel war, Materialien zu entwickeln und sie als Open Educational Resources, also als OER, veröffentlichbar zu machen, die die Teilnehmenden für ihren eigenen Arbeitsalltag benötigen. Das können und kennen viele noch nicht selbstverständlich. Deshalb brauchte es Inputs, Beispiele, Erklärungen und immer wieder Ermutigung: Ja, auch ein erster Stand darf geteilt werden. Ja, auch ein Material aus der eigenen Praxis kann für andere hilfreich sein. Ja, es ist erlaubt, unfertig anzufangen.
Die ersten Schritte Richtung Wutöschingen passierten schon vor der Anreise. Beim gemeinsamen Online-Kick-off der OERcamp Werkstätten 2026 am 26. Mai trafen sich die Gruppen aus Detmold und Wutöschingen erstmals digital. Dort gab es Einblicke in das Werkstattformat, Raum für offene Fragen und die Gelegenheit, schon vorab andere Teilnehmende kennenzulernen. So begann die OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule nicht erst zwischen Lernhäusern, Material-Steckbriefen und Werkstatttischen, sondern mit einer gemeinsamen Orientierung: Wir machen uns auf den Weg.
Ein Ort, der selbst mitarbeitete
Dass diese Werkstatt des OERcamps ausgerechnet an der Alemannenschule stattfand, war mehr als eine schöne Ortswahl. Die Schule ist weit über Wutöschingen hinaus bekannt für selbstorganisiertes Lernen, für eine besondere Lernkultur und für Räume, die diese Kultur sichtbar machen. Schon beim Ankommen wurde deutlich, dass hier nicht einfach ein Veranstaltungsraum durch eine Kooperation zur Verfügung stand. Die Teilnehmenden bewegten sich durch Lernhäuser, offene Arbeitsbereiche, Rückzugsräume und Zonen, die nicht rein zufällig so gestaltet sind, sondern aktiv Lernverhalten unterstützen sollen.
Viele Gespräche begannen genau dort: bei den Räumen. Warum sieht Schule hier so aus? Wie viel Struktur braucht selbstorganisiertes Lernen? Wie wird Ruhe ermöglicht, ohne ständig zu ermahnen? Wie können Lernende Verantwortung übernehmen, wenn Umgebung, Material und Begleitung zusammenspielen? In Wutöschingen war der „Raum als dritter Pädagoge“ kein abstrakter Fachbegriff, sondern etwas, das man sehen, betreten und diskutieren konnte.





Besonders wertvoll war dabei, dass mit Caroline Spirig eine der Personen vor Ort war, die u.a. an der Raumkonzeption der Alemannenschule beteiligt war. Sie ist Teil von Raumreaktion aus Zürich; im AIT-Beitrag zur Oberstufe der Alemannenschule wird beschrieben, wie Raumreaktion mit Caroline Spirig, Anika Müller und Patrick Müller ein Lern- und Raumkonzept umgesetzt hat, das Selbstverantwortung und selbstorganisiertes Lernen räumlich unterstützt.
Bei der Werkstatt gab Caroline Inputs und Workshops zu guten Räumen für Lernen und Leben sowie zu räumlichen Zonen für unterschiedliche Lernaktivitäten. Außerdem führte sie durch das neu gebaute Oberstufengebäude und teilte mit den Teilnehmenden, warum bestimmte Entscheidungen so getroffen wurden: Wo Rückzug möglich sein soll, wo Begegnung entsteht, wo Konzentration unterstützt wird und warum die frühe Beteiligung aller, die später in einem Gebäude lernen und arbeiten, für Schulbau und Schulentwicklung so entscheidend ist.
Lernräume, Lernmaterialien und Materialnetzwerk bei der OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule
Neben Caroline Spirig war auch Valentin Helling an vielen Stellen präsent. Als Gründungs- und Vorstandsmitglied der Materialnetzwerk eG (MNWeG) brachte er eine Perspektive ein, die zur OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule besonders gut passte: Wie müssen Materialien gestaltet sein, wenn selbstorganisiertes Lernen nicht nur behauptet, sondern im Alltag aktiv getragen werden soll?
Das Materialnetzwerk ist aus einem Zusammenschluss von Schulen entstanden, die über Jahre hinweg gemeinsam Lernmaterialien entwickelt und ausgetauscht haben. Heute stellt die gemeinnützige Genossenschaft praxiserprobte, einheitlich strukturierte Lernmaterialien für selbstorganisiertes Lernen bereit; alle Materialpakete stehen kostenfrei als OER zur Verfügung. Die Grundlage bildet eine an der Alemannenschule erprobte Struktur. Zusätzlich können Lehrkräfte Materialien über den MNW-Editor bearbeiten, erstellen und austauschen.







Valentin Helling bot Programmpunkte zum Materialnetzwerk, zur Struktur von Materialpaketen und zur Schmetterlingspädagogik an. Außerdem führte er durch Gebäude der Sekundarstufe I. Dadurch konnten Teilnehmende nicht nur über selbstorganisiertes Lernen sprechen, sondern sehen, welche Räume, Routinen und Materialstrukturen es im Schulalltag tragen. Für die Werkstatt war das besonders anschlussfähig: Denn wer Materialien als OER entwickeln und veröffentlichen möchte, muss auch verstehen, in welchen Lernsettings sie später genutzt, angepasst und weiterentwickelt werden können.
Caroline Spirig und Valentin Helling machten auf unterschiedliche Weise sichtbar, dass OER nicht im luftleeren Raum entstehen. Materialien brauchen pädagogische Konzepte, passende Strukturen, Räume, Menschen, die sie nutzen, und andere Menschen, die sie weiterentwickeln können.
„Ihr seid die Werkstatt“
So besonders der Ort war, im Mittelpunkt standen die Teilnehmenden mit ihren eigenen Vorhaben. Und genau das war für manche zunächst ungewohnt. Viele hatten im Vorfeld ausführlich beschrieben, woran sie arbeiten wollten, oft verbunden mit der Frage, ob das überhaupt zur Werkstatt passt. Andere kamen ohne konkretes Vorhaben und merkten erst vor Ort, dass auch diese Offenheit Teil des Formats sein darf.
Die OERcamp Werkstatt funktioniert nicht wie eine Veranstaltung, bei der ein fertiges Programm von vorne bis hinten absolviert wird. Das Programm ist eher ein Werkzeugkasten. Die Teilnehmenden bringen ihre Fragen, Themen und Materialien mit; Coaches, Community-Koordinator*innen, Inputs, Sprechstunden und andere Teilnehmende helfen dabei, daraus etwas Teilbares zu machen.










Lehrende erstellen ständig Materialien, passen Aufgaben an, entwickeln Methoden weiter oder bauen Lernsettings um. Im Alltag passiert das oft schnell, pragmatisch und für die eigene Lerngruppe. In einer OER-Werkstatt wird daraus plötzlich etwas, das benannt, überarbeitet, lizenziert und veröffentlicht werden kann. Was vorher „nur mein Arbeitsblatt“ war, kann zu einem offenen Material werden, an das andere anschließen.
Von „Ich weiß gar nicht, was ich machen soll.“ zu „Ach so, darum geht es!“
Manche Werkstattmomente begannen ganz leise. Nicht mit einer fertigen Idee, sondern mit einem vorsichtigen: „Ich weiß gar nicht, was ich hier machen soll.“ Genau dann wurde nicht nach einem perfekten Produkt gefragt, sondern nach der eigenen Praxis: Welche Fächer unterrichtest du? Welche Lerngruppe kommt nach den Ferien? Was passiert in der ersten Stunde? Was brauchen die Lernenden? Und was ist vielleicht längst da, nur noch nicht als Material sichtbar?
Aus einer vagen Ausgangslage konnte so sehr schnell etwas Konkretes entstehen. Eine erste Stunde nach den Ferien wurde zur Idee für einen Podcast-Auftrag. Dazu brauchte es Kriterien, also entstand ein Feedbackbogen (bei der Werkstatt in Detmold wurde dafür ein Feedbackfragebogen-Generator entwickelt). Aus dem Feedbackbogen konnte eine Checkliste werden. Und plötzlich stand nicht mehr die Frage im Raum, ob überhaupt ein Material entstehen kann, sondern welches von mehreren möglichen Materialien zuerst weiterbearbeitet wird.
Solche Momente machten erfahrbar, was die Werkstatt leisten kann. Sie nimmt die eigene Praxis ernst und hilft dabei, sie in eine Form zu bringen, die andere verstehen, nutzen und verändern können. Nicht perfekt, aber veröffentlichbar. Nicht abgeschlossen, aber anschlussfähig.
Zusammenarbeit, die nicht geplant werden musste
Sehr deutlich wurde in Wutöschingen auch, wie schnell sich Menschen fanden. Immer wieder berichteten Teilnehmende, woran sie arbeiten wollten, und fast jedes Mal gab es andere, die sagten: Daran denke ich auch. Das brauche ich ebenfalls. Da würde ich gern mitmachen. Für diejenigen, die noch keinen konkreten Plan hatten, war genau das besonders wertvoll. Sie mussten nicht künstlich eine Idee erfinden, sondern konnten sich an Themen andocken, die ohnehin im Raum waren.
An den großen Fensterscheiben der Alemannenschule wurde diese Zusammenarbeit sichtbar. Dort visualisierte ein Material-Fortschrittsboard, auf dem die Steckbriefe der Vorhaben durch verschiedene Stationen wanderten: „in Planung“, „wOERk in progress“, „fertig“, „veröffentlicht“ und „fürs nächste Mal“. So wurden aus einzelnen Ideen gemeinsame Anknüpfungspunkte. Wer wissen wollte, woran andere arbeiten oder welche Materialien schon veröffentlicht waren, musste nur ans Fenster schauen.
So entstanden Communities nicht nur als Programmpunkte, sondern als konkrete Kollaborationsräume. Menschen fanden sich zu gemeinsamen Projekten zusammen, sortierten ähnliche Fragen, teilten Materialstände oder überlegten, wie Veröffentlichung und Weiterarbeit aussehen könnten. Wer ein eigenes Material hatte, bekam Feedback. Wer Beratung brauchte, konnte Sprechstunden der Coaches nutzen. Wer noch suchte, fand Orientierung durch andere, die schon einen Schritt weiter waren.









Das war vielleicht eine der stärksten Beobachtungen: Die Werkstatt erzeugte nicht nur individuelle Ergebnisse, sondern Zusammenarbeit. Viele Köpfe wurden zusammengesteckt, nicht aus Pflicht, sondern weil die Themen miteinander verbunden waren. In den Gesprächen ging es um Arbeitsblätter, Plattformen, Lernbausteine, Prüfungsformate und Lizenzen, aber darunter lag oft der größere Wunsch, Schule anders zu gestalten.
Let’s wOERk: Materialentwicklung bei der OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule
Nach dem Ankommen und Sortieren wurde der zweite Tag zum eigentlichen Werkstatttag. In der Moderation hieß es sinngemäß: Heute wird gearbeitet. „Let’s wOERk!“ Denn am dritten Tag sollte es bereits Richtung Veröffentlichung gehen, und diese leichte Verbindlichkeit tat dem Format gut. Sie setzte keinen unangenehmen Druck, sondern machte klar: Wir sind nicht nur hier, um über OER zu sprechen. Wir sind hier, um etwas zu erstellen.
Manche Teilnehmende waren zu diesem Zeitpunkt schon fast veröffentlichungsbereit. Erste Materialien waren sogar bereits am Vortag veröffentlicht worden. Andere standen noch ganz am Anfang oder brauchten erst einmal ein Gespräch, um zu verstehen, was ihr Vorhaben sein könnte. Alles hatte Platz. Genau darin lag die Stärke der Werkstatt: Sie konnte Menschen abholen, die Inspiration und Orientierung suchten, ebenso wie Menschen, die an einem fast fertigen Material den letzten Schliff brauchten.
Eine Methode brachte diesen Werkstattcharakter besonders gut auf den Punkt. Bei „Show Me Yours, I’ll Show You Mine“ erklärten sich Teilnehmende zunächst gegenseitig ihre Materialien. Anschließend erklärten sie ein fremdes Material weiter und hörten zugleich, wie jemand anderes ihr eigenes Material erklärte. In solchen Momenten wird sofort sichtbar, ob ein Material verständlich ist, wo Informationen fehlen und welche Annahmen nur im eigenen Kopf existieren. Für OER ist das zentral: Materialien werden besser, wenn andere sie anschauen, Fragen stellen und sie weiterdenken dürfen.
Zwischen Mensa, World Café und Transferpresse
Dass sich Menschen in Wutöschingen so schnell fanden, lag nicht nur an den Programmpunkten. Austausch entstand auch dort, wo niemand offiziell „Vernetzung“ darüber schreiben musste: beim wirklich guten Essen in der Mensa, bei Kaffee und Snacks im sogenannten World Café, am Stickertauschtisch oder an der Transferpresse. Dort konnten mitgebrachte Textilien wie T-Shirts, Stoffbeutel oder andere Lieblingsstücke mit OERcamp-Motiven bedruckt werden. Während Motive ausgewählt, Stoffe glattgezogen und Ergebnisse bestaunt wurden, gingen Gespräche weiter, die vorher in Sessions begonnen hatten. Manchmal braucht es genau solche Orte zwischen den Programmpunkten, damit aus einem kurzen Kontakt eine Idee, aus einer Idee ein gemeinsames Vorhaben und aus einem gemeinsamen Vorhaben vielleicht ein neues OER-Material wird.













Live dabei: Podcastaufnahme zu Barcamps in der Schule
Auch am Abend blieb die Werkstatt ein Ort, an dem Lernen nicht nur in klassischen Programmpunkten stattfand. In einer Live-Podcastaufnahme sprach Jöran Muuß-Merholz mit Philip Stade und Dejan Mihajlović über Barcamps für Schulentwicklung, Demokratiebildung, SMV und viele weitere schulische Kontexte. Die Leitfrage passte wunderbar zur OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule: Was verändert sich, wenn Menschen nicht nur zuhören oder teilnehmen, sondern selbst Themen setzen, Fragen einbringen und gemeinsam gestalten?
Die Aufnahme war Teil der Reihe „How to Barcamp“ und wird auf selbstlernen.net erscheinen. Dort gibt es bereits eine Episodenliste mit bisherigen Folgen der Podcastreihe, unter anderem zu Grundlagen, Planung und Variationen von Barcamps. In Wutöschingen wurde dieser Gedanke live weitergeführt: Barcamps nicht als Ausnahmeformat, sondern als wiederkehrende Praxis für Schule, Beteiligung und gemeinsames Lernen. Dass das Publikum vor Ort dabei sein und im Anschluss mit den Gesprächspartnern in den Austausch gehen konnte, machte auch diese Aufnahme zu einem Teil der Werkstattatmosphäre.



Viele Inputs, unmöglich alle aufzuzählen
Das Programm war so dicht, dass ein Rückblick nur einzelne Fäden aufnehmen kann. Viele Inputs, Workshops, Sprechstunden und Gespräche haben dazu beigetragen, dass aus ersten Ideen konkrete nächste Schritte wurden. Ann-Christin Piel gab zum Beispiel mehrere Angebote rund um offene Lernsettings, Lernbausteine und Lernmaterialien im Montessori-Style. In ihren Inputs wurde deutlich, dass selbstorganisiertes Lernen nicht bedeutet, dass alle einfach irgendetwas machen. Es braucht Strukturen, Lernberatung, Logbücher, gutes Material, transparente Anforderungen und eine Organisation, die Lernende wirklich unterstützt.
Nele Hirsch zeigte in einem sehr kompakten Input, wie sich mit dem Open-Source-Tool Publii ohne große Vorkenntnisse eine eigene Website erstellen lässt. In wenigen Minuten wurde greifbar, wie digitale Veröffentlichung auch ohne Abhängigkeit von großen Plattformen gedacht werden kann. Gerade für OER ist diese Frage wichtig: Wo liegen Materialien? Wie bleiben sie zugänglich? Wie können Lernende oder Lehrende Inhalte veröffentlichen, ohne sofort in geschlossene Systeme auszuweichen?
Daneben gab es Angebote zu binnendifferenzierten Tests, zum Aufbau von Materialpaketen, zu Inner Development Goals und zu vielen weiteren Fragen. Nicht jede Session kann hier einzeln nacherzählt werden. Aber gemeinsam ergaben sie das, was die Werkstatt brauchte: fachliche Impulse, praktische Werkzeuge, konkrete Beispiele und immer wieder Anlässe, das eigene Material weiterzudenken.
Aufbruchsstimmung zwischen Arbeitsblatt, Plattform und Makerspace
In Wutöschingen ging es nicht nur um einzelne Arbeitsblätter. Es ging immer wieder um die größere Frage, wie Schule anders gestaltet werden kann. Manche suchten Absicherung: Machen andere das auch? Darf ich das so denken? Wo fange ich an? Andere brachten schon erstaunlich weit entwickelte Projekte mit und stellten ihr Licht trotzdem unter den Scheffel.
Ein Teilnehmer zeigte zum Beispiel eine fast fertige Plattform, mit der Arbeitsblätter KI-gestützt analysiert und weiterverarbeitet werden können. Lehrplanbezüge, Methoden und neue methodische Ideen, etwa für spielerische Zugänge oder Rollenspiel-Formate, konnten dadurch an konkreten Materialien sichtbar werden. Vor Ort bekam die Idee Resonanz, Feedback und hoffentlich den nächsten Schubs in Richtung Veröffentlichung.
Ein anderer Teilnehmer kam aus einem Makerspace und fragte sich zunächst, was er in dieser Werkstatt überhaupt erstellen könne. Im Gespräch entstand dann eine Verbindung zu alternativen Prüfungsformaten. Denn ein Prüfungsformat im Makerspace kann selbst eine alternative Prüfungsform sein. Plötzlich wurde aus dem „Ich schaue erstmal“ ein konkreter Anschluss: Wie lassen sich Makerspace-Prozesse beschreiben, bewerten, reflektieren und als Material teilen?
Materialien, die weiterwandern
Ein schönes Beispiel dafür, dass Werkstattprozesse nicht immer am letzten Veranstaltungstag enden, brachte eine Teilnehmerin aus einer früheren OERcamp Werkstatt mit. Sie hatte dort an einem Material zu dem sensiblen Thema Depressionen begonnen. Später entstand daraus im zweiten Anlauf ein Podcast zum Jugendroman „Alle Farben grau“ von Martin Schäuble. Der Podcast der Heinrich-Böll-Schule Rodgau wurde beim BÜCHERALARM-Award 2026 mit dem zweiten Platz ausgezeichnet.
Solche Geschichten zeigen, warum Werkstätten wichtig sind. Nicht alles wird sofort fertig. Manches braucht Zeit, einen zweiten Anlauf, eine andere Gruppe oder einen neuen Kontext. Und manchmal kommt ein Projekt später wieder zurück in die Community und zeigt: Da ist wirklich etwas gewachsen.
Wo die Materialien gesammelt werden
Die in Wutöschingen entstandenen und veröffentlichten Materialien sollen nicht im Veranstaltungsrückblick verschwinden. Wir bereiten sie aktuell für unsere Sammlung der Werkstatt-Ergebnisse auf. Dort werden die Ergebnisse der OERcamp Werkstätten gebündelt und mit den jeweiligen Veröffentlichungsorten der Materialien verlinkt. Das dauert noch einen Moment, weil wir die Beiträge sichten, sortieren und sauber einpflegen möchten. Sobald die Sammlung ergänzt ist, lässt sich dort nachvollziehen, welche offenen Materialien aus der OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule hervorgegangen sind.
Was von der OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule bleibt
Was bleibt nach drei pickepacke vollen Tagen? Vielleicht zuerst das Gefühl, dass Materialentwicklung als OER nicht nur eine technische oder rechtliche Aufgabe ist. Natürlich braucht es Wissen über Lizenzen, Plattformen, Formate und Veröffentlichung. Aber es braucht auch Vertrauen in die eigene Praxis, Resonanz von anderen und Räume, in denen unfertige Ideen willkommen sind.






















Die OERcamp Werkstatt in der Alemannenschule zeigte, wie stark Orte, Menschen und Materialien zusammenwirken können. Ein besonderer Lernort, erfahrene Impulsgeber*innen, Coaches mit konkretem Feedback, Communities für Zusammenarbeit und Teilnehmende, die bereit waren, ihre Ideen zu zeigen, bevor sie perfekt waren: Aus dieser Mischung entstand der Werkstattcharakter.
Am Ende der Werkstatt sollten möglichst viele Materialien so weit sein, dass sie veröffentlicht und als OER geteilt werden können. In Wutöschingen wurde zugleich sichtbar, dass Veröffentlichung manchmal ein Zielpunkt und manchmal der nächste klare Schritt ist. Einige Vorhaben waren bereits bereit für die Veröffentlichung, andere brauchten noch Feedback, Feinschliff oder eine letzte Klärung zur Lizenz. Entscheidend war: Aus Ideen wurden konkrete Arbeitsstände, aus Unsicherheit wurde Orientierung und aus vielen Gesprächen entstanden Materialien, die weitergehen können.
Bilder der OERcamp Werkstatt an der Alemannenschule zum Teilen
Die OERcamp Werkstatt in der Alemannenschule war nicht nur inhaltlich dicht, sondern auch visuell besonders. Die Lernhäuser, Arbeitsphasen, Gespräche, Laptops, Post-its, Materialien und kleinen Werkstattmomente erzählen viel von dem, was vor Ort passiert ist.
In unseren Bilderslidern in diesem Artikel zeigen wir Eindrücke aus Wutöschingen. Eine Verbreitung unter der angegebenen Lizenz (Luisa Schmidt für OERcamp / Agentur J&K – Jöran & Konsorten unter CC BY 4.0) ist möglich und ausdrücklich erwünscht. Zusätzlich stellen wir die Bilder aus den Slidern bis zum 18.06.27 als kompaktes Downloadpaket über WeTransfer zur Verfügung.
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