Jedes Mal, wenn wir vom Team des #OERcamps einen neuen Veranstaltungstermin ankündigen, machen wir damit Menschen unglücklich. Wir bekommen dazu oft traurige, manchmal auch wütende Rückmeldung: „Wieso muss denn die Veranstaltung an DIESEN Tagen stattfinden? Das ist doch sicher KEIN guter Termin! So können wir auf keinen Fall daran teilnehmen!“
Das Dilemma ist: Es gibt leider keine Termine, die alle Personen zufriedenstellen würden. Und diese Situation hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr zugespitzt. Für alle, die an den Hintergründen interessiert sind, nennen wir im Folgenden die konkreten Details:
In welchem Monat sollte ein #OERcamp stattfinden?
Die einfache Antwort auf die Frage, in welchem Monat ein OERcamp stattfinden sollte lautet: keiner! Es gibt ungefähr zwölf Monate im Jahr, die als Termin im Bildungsbereich eher schlecht geeignet sind. Zum Beispiel sind irgendwo gerade Schulferien. Häufig gibt es jedoch auch die gegenteilige Rückmeldung: Während der Schulzeit klappt die Teilnahme an einem OERcamp nicht, der Termin sollte lieber in den Ferien liegen. Auch für die Hochschule gibt es vergleichbare Spannungsfelder zwischen Veranstaltungsbetrieb und vorlesungsfreien Zeiten.
Dennoch gibt es Monate, die mehr Zustimmung erzeugen, tendenziell sind dies September, November und März (vielleicht auch April, je nach Lage der Osterfeiertage). Das Problem dabei ist: Alle Veranstalter wissen um diese Monate. Wenn wir also ein OERcamp für September ankündigen, so wie bei den ersten vier OERcamps 2012 bis 2015, dann heißt es oft: „Im September ist es ganz schlecht! Da liegen ja auch ALLE anderen Bildungsveranstaltungen!“
Umfrage zum idealen OERcamp-Termin im Jahr
Deshalb führten wir im Februar 2026 eine kleine Umfrage bei den #OERcamp-Newsletter-Empfänger*innen durch und fragten nach ihren Terminpräferenzen für das zweite Halbjahr 2026. Die 109 Antworten zeigten ein eher ernüchterndes Ergebnis. Grob vereinfacht findet jeder Monat ungefähr bei der Hälfte der Personen Zustimmung und bei der anderen Hälfte Ablehnung. Nur dass es für jeden Monat andere Menschen sind, die die jeweiligen Hälften bilden. Die Unterschiede lassen sich wohl nach Bundesländern erklären, aber für eine belastbare Aussage sind die Daten nicht ausreichend genug. Insgesamt lag in unserer Umfrage der November leicht vorne – aber das kann auch schlicht daran liegen, dass Menschen tendenziell einem Termin zustimmen, der am weitesten entfernt liegt – einfach weil der Kalender da noch etwas freier aussieht.
(Bemerkenswert war das Stimmungsbild zur Option „Ende August“, der stark Sommer(ferien)-verbunden ist. Auch hier sind die Meinungen geteilt. Gleichzeitig ist August jedoch die Option mit der größten Polarisierung: Der August-Termin hatte bei der eindeutigen Zustimmung und eindeutigen Ablehnung die Nase vorne. Es gab hier am wenigsten Stimmen für die Mitte, also eher Zustimmung oder eher Ablehnung.)
An welchen Wochentagen sollte ein #OERcamp stattfinden?
Wer nun denkt, dass die Frage nach dem Monat schon schwierig sei, sollte die Ergebnisse zu unserer Befragung bezüglich der Wochentage besser gar nicht erst lesen. Denn hier wird es wirklich ungemütlich.
Schaut man zunächst auf das Gesamtbild, so sieht die Sache eindeutig und einfach aus: Donnerstage und Freitage sind die Favoriten. Samstage und noch stärker Sonntage sind unerwünscht.
„Okay!“, könnte man jetzt sagen, „dann ist der Fall ja klar: Wir sollten keine #OERcamp-Veranstaltungen mehr auf die Wochenenden legen.“ Und das, obwohl das Wochenende der traditionelle Termin von OERcamps und früheren Barcamps war. Dummerweise verkehrt sich die Einfachheit ins Gegenteil, wenn wir genauer in die Daten schauen.
Denn wir haben bei der Umfrage auch um eine Selbstzuordnung bezüglich des eigenen Bildungsbereichs gebeten. Differenzieren wir die Antworten danach, zeigt sich eine extreme Spaltung: Während alle anderen Bildungsbereiche Termine unter der Woche bevorzugen und das Wochenende ablehnen, ist es für Personen aus allgemeinbildenden Schulen exakt umgekehrt! Sie bevorzugen die Wochenenden.
Damit haben wir ein gravierendes Problem. Das OERcamp versteht sich als Treffen für Menschen aus allen Bildungsbereichen. Es ist kein Versehen, sondern die Grundidee unserer Veranstaltungen, dass hier über traditionelle Grenzen und Silos hinaus zusammengearbeitet und miteinander gelernt wird. Gute Termine dafür zu finden ist – Stand 2026 – sehr schwierig. Für Menschen aus allgemeinbildenden Schulen ginge es nur oder zumindest überwiegend am Wochenende und nicht unter der Woche. Aber nehmen wir solch einen Wochenend-Termin, ist das für alle anderen schlecht. Für uns ergibt sich daraus für jedes geplante Event aufs Neue eine Zwickmühle!
Zwischenstand: Wie gehen wir derzeit damit um?
Wie gehen wir nun mit dieser Zwickmühle um? Aktuell (April 2026) orientieren wir uns wie folgt:
- Das große, alljährliche OERcamp fand 2025 zum Beispiel von Donnerstag bis Samstag statt. Das werden wir voraussichtlich für 2026 wieder genau so handhaben.
- Es ist immer möglich, sich gezielt für einzelne Tage anzumelden. Am Samstag liegt meist das Programm, welches für den Bereich allgemeinbildende Schule besonders interessant ist.
- Ganze Veranstaltungen, die vor allem für Schulen interessant sind, so zum Beispiel die #OERcamp-Werkstätten (für 2026 wird es eine Werkstatt in Detmold und eine weitere Werkstatt in Wutöschingen geben), finden eher an Wochenenden statt.
Bei kleineren OERcamp-Veranstaltungen, die in der Regel an andere Veranstaltungen „andocken“, stellt sich die Frage meist nicht, weil der Termin durch die übergeordnete Veranstaltung festgelegt und damit (hoffentlich) schon an den Bedürfnissen der entsprechenden Zielgruppen ausgerichtet ist. Ein Beispiel für solch ein OERcamp-Andock-Event ist das University:Future-Festival im Juni 2026.
Wir wissen, dass jede Terminfestlegung für einige Menschen gut und für andere Menschen schlecht passt. (Selbst der top-favorisierte Werktag hat innerhalb der jeweiligen Gruppe nur eine Zustimmung von durchschnittlich 76%. Jede vierte Person wird also auch mit dieser Wahl nicht zufrieden sein.) Wir wissen um die Herausforderungen gerade im Bereich allgemeinbildende Schule, wo OER häufig noch vom besonderen Engagement einzelner Lehrkräfte lebt und nicht in Strukturen und Stellenbeschreibungen verankert ist. Gleichzeitig hoffen wir auf Verständnis, dass es den optimalen Termin, der für alle gleichermaßen gut passt, einfach nicht gibt.
Falls ihr dazu Redebedarf habt, nehmt gerne Kontakt mit uns auf!
PS: Als das alles mal kein Problem war …
In den ersten Jahren des OERcamps war die Frage nach den Wochentagen übrigens schnell und einfach zu beantworten. Es war immer: ein Wochenende. Warum war das so? Das erste OERcamp fand vom 14. bis 16. September 2012 in Bremen statt – also Freitag bis Sonntag. Das war damals ganz selbstverständlich und folgte der Logik der EduCamps, der „Mutter der deutschsprachigen Bildungs-Barcamps“, bei dem auch das OERcamp abgeguckt hatte. Warum war das so? Nach meiner (Jörans) Wahrnehmung lag der Grund darin: Die allermeisten Teilnehmenden, die schon damals aus verschiedenen Bildungsbereichen zusammenkamen, konnten an der Veranstaltung nicht als Teil ihrer regulären Arbeit teilnehmen, sondern haben sie zusätzlich besucht. Ihre Jobbeschreibungen oder ihre Vorgesetzten hätten damals mit „Barcamp“ oder den dort bearbeiteten Themen nichts anfangen können. Auf diese Weise mussten die Teilnehmenden, gerade die Lehrkräfte, die Veranstaltung jenseits ihrer Arbeitszeit wahrnehmen. Und deswegen musste es ein Wochenende sein. Inzwischen gibt es an vielen Stellen „Profis“ für OER – also Menschen, die OER in der Stellenbeschreibung stehen haben und deswegen einen Werktag favorisieren. In der Schule gibt es diese Stellen vergleichsweise seltener als in Hochschule, Weiterbildung oder übergreifenden Bereichen.
So spiegelt die Frage nach dem passenden Termin bis heute auch die Entwicklung von OER selbst wider – vom freiwilligen Engagement am Wochenende hin zu einer zunehmend professionalisierten Aufgabe im Arbeitsalltag.
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