Der zweite OERinfo-Fachtag brachte am 24. Oktober 2025 am DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, viele vertraute Gesichter und neue Impulse zusammen.
Leitmotiv war der Trialog zwischen „usOER“, „researchOER“ und „providOER“ – also zwischen Praxis, Forschung und Infrastruktur. Für das OERcamp-Team war der Fachtag ein inspirierender Zwischenstopp auf dem Weg zum OERcamp.global 2025, dem 24-Stunden-Barcamp für die internationale OER-Community.
Was uns in Frankfurt besonders interessierte, waren die Menschen hinter den Projekten: Was bewegt die OER-Community gerade? Welche Herausforderungen erscheinen besonders dringlich – und welche Ansätze entstehen rund um KI, Infrastruktur und Offenheit?
Stimmen aus der Community – Einblicke vom OERinfo-Fachtag 2025
Aus diesem Grund haben wir im Oktober vor Ort Stimmen eingefangen, die zeigen, wie lebendig und vielfältig die OER-Community geworden ist – von der Hochschuldidaktik bis hin zu zivilgesellschaftlichen Projekten.
Die kurzen Video-Clips geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen und persönliche Perspektiven auf offene Bildung und werden in den kommenden Wochen hier auf oercamp.de und unseren Social-Media-Kanälen erscheinen.
ZUM e.V.: OER zwischen KI-Schub und Qualitätsanspruch
Beim ZUM e.V. steht aktuell ein grundlegendes Thema im Raum: Welche Rolle spielen klassische OER-Plattformen in einer Zeit, in der KI auf Knopfdruck Arbeitsblätter, Übungen oder Einstiegstexte generiert?
Mandy Schütze beschreibt eine Mischung aus Neugier und Selbstbefragung. KI ermögliche vieles, aber nicht alles. „Jeder kann heute eigene Unterrichtsmaterialien erstellen – aber die Frage ist, wie verlässlich diese sind“. Die ZUM sieht sich weiterhin als wichtiger Qualitätsanker: Materialien werden geprüft, erprobt und fachlich eingeordnet. Bewährtes Wissen bleibt ein wichtiger Wert – auch in einer KI-geprägten Bildungslandschaft.
ZOERR: Aufbruch in eine neue Projektphase
Das Zentrale OER-Repositorium der Hochschulen Baden-Württembergs (ZOERR) blickt auf zehn Jahre Projekterfahrung zurück – und richtet den Blick zugleich nach vorn. In der nächsten Phase rücken insbesondere KI und offene Praktiken in den Fokus.
Die Vernetzung mit der Hochschuldidaktik steht stärker im Mittelpunkt. Ziel sei es, die Zahl der Ansprechpersonen und Multiplikator*innen an den Hochschulen weiter auszubauen. Damit soll die Nutzung und Weiterentwicklung von OER in der Lehre langfristig gestärkt werden, meint Verena Zimper.
Historisches Museum Frankfurt: OER im Kulturerbe-Kontext
Auch außerhalb formaler Bildungsinstitutionen wächst der Wunsch, Inhalte offen zugänglich zu machen. Das Historische Museum Frankfurt arbeitet daran, Wissen aus Ausstellungen und Sammlungen stärker für Bildungszwecke aufzubereiten.
Dr. Franziska Mucha stellt das Projekt Open History vor, bei welchem museumspädagogische Materialien und historische Quellen als OER bereitgestellt werden – ein Angebot für Lehrkräfte, Lernende und alle, die sich für Stadtgeschichte interessieren. Das Museum versteht Offenheit als Möglichkeit „Wissen zu verbreiten und neue Zielgruppen zu erreichen“.
HackathOERn: Community-Lösungen für Community-Herausforderungen
Das Projekt HackathOERn zeigt, wie lebendig die OER-Community ist, wenn sie gemeinsam Probleme löst. Ausgangspunkt sind immer die Bedarfe der Community selbst: Welche Herausforderungen treten bei der Nutzung von OER auf? Welche guten Ideen liegen bereits vor, werden aber noch nicht umgesetzt?
Kathrin Rabsch berichtet von Weimar, wo zuletzt rund 65 Menschen zusammenkamen, um in einem Hackathon an Themen wie Interoperabilität, Community-Building, Kollaboration oder auch KI-Infrastrukturen für OER zu arbeiten. Der nächste Hackathon ist bereits in Planung. „Die Community bringt so viele Perspektiven mit, das wollen wir systematisch nutzen“, fasst sie zusammen.
Open Knowledge Foundation: OER aus Sicht junger Menschen
Im Projekt Higher Education der Open Knowledge Foundation stehen Kinder und Jugendliche im Mittelpunkt. Sie entwickeln eigene Vorstellungen davon, wie Bildung offener, gerechter und zeitgemäßer sein könnte.
Nach einer ersten Konferenz mit jungen Menschen zwischen 14 und 25 Jahren folgt nun ein zweites Event – diesmal für Teilnehmende ab zwölf Jahren, wie Nils Deventer erzählt. Dort sollen Ideen nicht nur gesammelt, sondern auch in konkrete Projekte überführt werden. Die Projektleitung zeigt sich beeindruckt vom Engagement: Junge Menschen hätten „klare Vorstellungen davon, wie ihre Bildung aussehen sollte – man muss ihnen nur Raum geben“.
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